Buch "Ars Moriendi" - Die Kunst des Sterbens. Eine Anthologie / 259 Seiten

CHF32.00

Kategorie Sachbuch Schlagwörter Bibel Glaube Sterben Tod Trauer

VORWORT  

Das vorliegende Buch – in der 2. verbesserten und erweiterten Auflage  - befasst sich mit der einzigen absoluten Gewissheit im Leben: dem Tod. Denn nichts ist so sicher, wie die Tatsache, dass wir sterben werden. Der Tod ist etwas Universales, d.h. jeder Mensch, jedes Lebewesen und alles Leben ist vom Tod betroffen.

Eigenartig, als ich Freunden und Bekannten erzählte, dass ich ein Buch über das Thema „Sterben und Tod“ schreiben würde, quittierten manche dies mit einem ziemlich verunsicherten Lächeln oder sogar mit einem ungläubigen Staunen und fragten: „Was, du schreibst ein Buch über den Tod? Bist du denn krank? Ist alles ok bei dir?“

Dann antworte ich: „Ich schreibe ja nicht meine eigene Trauerrede, sondern einfach ein Buch über „Sterben und Tod“, „Trauer und Abschied“.

Meine Erfahrung: Mit dem „Tod“ setzen sich immer noch nur die wenigstens Menschen freiwillig auseinander. Die meisten meiden möglichst alles, das mit ihrem Sterben oder mit ihrer Vergänglichkeit zu tun haben könnte. Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich finde es wichtig, dass wir uns als denkende und lebendige Wesen - mitten im Leben -  auch Gedanken über den Tod und unsere Vergänglichkeit machen. Also: Ein Buch über den Tod schreiben? Warum nicht?!

Was bedeutet nun aber der Tod? Hier gibt es bis heute verschiedene Deutungen. Die einen sind überzeugt, dass der Tod das Ich auslöscht und wir dann nicht mehr existieren. Andere glauben, dass sie den Tod ihres Körpers überleben und in irgendeiner Form weiterleben oder in einem anderen Körper auf die Erde zurückkehren.

So oder so: Es gibt kein Entrinnen vor der Vergänglichkeit. Ewig ist nur das Kommen und Gehen. Die Frage, die sich uns stellt ist also: Wie gehen wir mit dieser Tatsache um? Wie gehen wir mit unserer Endlichkeit um? Vertrösten? Leugnen? Verdrängen? Verklären? Oder Flucht in den Sarkasmus? Machen wir uns nichts vor: der Abschied vom Leben oder auch der Abschied von einem vertrauten Menschen ist immer eine schmerzliche Erfahrung. Und doch müssen wir früher oder später damit umgehen. 

Natürlich weichen wir den Fragen um den Tod gerne aus. Das ist eigentlich nicht verwunderlich, denn dafür leben wir doch zu gern! Auf der anderen Seite leben wir manchmal auch so, als ob wir unsterblich wären. Der Tod, das ist fast immer der Tod der anderen, aber nicht unser eigener.

Wir alle wissen, dass wir eines Tages sterben müssen oder dass wir einen uns nahen und wichtigen Menschen durch den Tod verlieren werden. Aber an dieser Tatsache versuchen wir - so gut es eben geht - „vorbeizuschauen“. 

Und diese „Kunst der Ablenkung“ beherrschen wir mit geradezu meisterhaftem Können.

Denn: Wir kennen nur das Leben, ihm wenden wir uns zu, mit unserer ganzen Kraft, mit unserer Freude, unseren Hoffnungen und unserer Energie. Der Tod bleibt immer der grosse Unbekannte. 

Wenn schon gestorben werden muss, dann später, einfach nicht jetzt. Der Tod kann warten, bitte!  

Ars Moriendi   

Ars Moriendi meint wörtlich übersetzt „Die Kunst des Sterbens“. 

Eine solche Kunst gab es tatsächlich früher einmal, zu einer Zeit, als Pest, Krieg, Hunger und Krankheiten das Leben bedrohten und den Menschen das „Memento Mori“ (Gedenke, dass du sterblich bist) täglich vor Augen führte. Damals diente diese „Kunst“ dazu, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen und sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Wenn man nämlich lernte, sich mit dem eigenen Tod zu befassen, führte dies letztlich auch zu einer Klärung und Intensivierung des Lebens. So hingen die „Kunst des Sterbens“ immer auch mit der „Kunst des Lebens“ (Ars Vivendi) zusammen. 

Heute ist diese Kunst ziemlich in Vergessenheit geraten. Leider! Der Tod und vor allem der eigene Tod wird in den modernen, westlichen Gesellschaften heute fast ausschliesslich als Feind betrachtet, einen Feind, notabene, den es um jeden Preis zu meiden gilt. 

Und doch holt der Tod uns ein - manchmal mitten im Leben - bei der Arbeit, im Schlaf, im Strassenverkehr, durch eine Krankheit, in den Ferien, manchmal, einfach plötzlich, müssen wir uns ihm stellen. Und er kommt meist ungefragt. Wir erleben ihn oft als ungerecht, furchtbar und brutal. Er zerstört Leben, hinterlässt Verzweiflung und Leere und dieses entsetzliche Gefühl der Sinnlosigkeit.  

Aber es gibt auch Situationen, in denen kommt der Tod nicht als Feind, nicht als Bedrohung, sondern wie ein alter Freund, der Menschen von ihrem Leiden erlöst. Hier sei nur erinnert an Hermann Hesse's wunderschönes Zitat im Glasperlenspiel: "Der Tod kann auch freundlich kommen, zu Menschen, die alt und müde sind..."

Alle Kulturen dieser Welt haben sich im Laufe der Geschichte ihre je eigenen Mythen und Bilder geschaffen, wie sie mit dem Tod umgehen und sich ihn vorstellen. Von der Hochkultur der Ägypter bis hin zu unserer Konsum- und Spassgesellschaft gibt es ganz unterschiedliche Vorstellungen, was denn der Tod ist oder bedeuten könnte.  

Die Kunst des Sterbens oder vielmehr das Anliegen, sich ehrlich und redlich mit der eigenen Endlichkeit auseinander zu setzen, braucht Mut, ja vielleicht sogar ein bisschen verwegene Kühnheit. Denn es gilt, dem Tod - unserem eigenen Tod - von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu treten. Und das ist vielleicht die grösste Herausforderung, der sich ein Mensch im Leben überhaupt stellen kann.  

Dabei: Wer sich aber mit dem Problem der Vollendung des Lebens im Tod beschäftigt, dringt wie von selbst auch zur Frage nach der letzen Erfüllung dieses Lebens im Hier und Jetzt.

Aber wie begegnen wir der Tatsache, dass wir sterblich sind? Und wie wird unser Tod uns wohl ereilen? Werden wir einer langen Krankheit erliegen? Rafft uns ein Unfall in einem Sekundenbruchteil einfach weg? Oder werden wir durch einen plötzlichen Schlaganfall sterben? Wird unser Tod ein sanftes „Entschlafen“ im Greisenalter sein oder wird unser Tod begleitet sein von einem langen Leiden?  

Wir wissen es nicht und können uns deshalb nicht richtig darauf vorbereiten. Und doch lehrt uns die Erfahrung auch, dass es ohnehin ganz anders sein wird, als wir uns dies vorstellen und je vorstellen können. Und trotzdem: ich betrachte es dennoch als sinnvoll, sich Gedanken über den Tod zu machen. Dabei spielt weniger der Tod an sich eine Rolle, sondern das Bewusstsein über unsere eigene Endlichkeit.      

„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ So steht es in einem schlichten Gebet in der Bibel. Vielleicht geht es mir mit dieser Broschüre einfach genau um das, um das „Be-Denken“ unserer Sterblichkeit, weil ich darauf vertraue, dass dieses Bedenken des Todes immer auch zu einem neuen Bewusstsein des Lebens führt.